Gelesen: Roland Kachler – Traummord

Vielleicht könnt Ihr Euch noch an meinen Kollegen und Freund Roland Kachler aus Podcast Nr. 10 erinnern. Roland ist psychologischer Psychotherapeut und Theologe und er beschäftigt sich neben seiner psychologischen Arbeit auch mit dem Bücherschreiben. Viele Bücher hat er zu den Themen „Paarberatung“ und „Trauer“, einem Thema in dem er auch Therapeuten ausbildet, veröffentlicht. Doch schon vor langem hat mir Roland auch seinen Krimi „Traummord“ als Lektüre empfohlen. Endlich habe ich ihn gelesen – und bin beeindruckt:

Dr. Johannes Roth, der Leiter des Prüfungsamtes der psychologischen Fakultät der Universität und glühender Verehrer von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, wird tot in seinem Büro aufgefunden – an seinem Schreibtisch erschossen. Unter ihm begraben liegt eines von Freuds großen Werken, in dem einige Stellen mit Blutstropfen markiert sind.

Kommissar Maurer wird mit dem Fall betraut. Maurer beschäftigt sich in seiner Freizeit selbst intensiv mit Psychologie und Therapie. Er ist ein großer Verehrer von Freud, Jung und dem amerikanischen Vater der modernen Hypnotherapie, Milton H. Erickson. Wochenlang beschäftigt sich Maurer auf konventionelle Polizeiart mit dem Fall und kommt nicht voran. Erst als er das einsetzt, was er bei den 3 Großmeistern der Psychotherapie gelernt hat, kommt der Fall in Bewegung.

Roland Kachler, psychologischer Psychotherapeut aus Remseck, lädt den Leser in seinem Krimi „Traummord“ auf eine spannende Reise in die Geschichte der Psychotherapie und den gemeinsamen Wurzeln, aber auch Streitigkeiten der unterschiedlichen tiefenpsychologisch psychotherapeutischen Strömungen ein. Er flechtet in die spannende Geschichte um die Auflösung des Mordes an Dr. Johannes Roth fast in hypnotherapeutischer Sowohl-als-auch-Manier mehrere weitere Ebenen ein. Neben der eigentlichen „faktischen“ Ebene, die sich mit dem Mordfall Roth beschäftigt, kann der Leser Sigmund Freud und Carl Gustav Jung sowie deren Gemeinsamkeiten aber auch Gegensätzte kennenlernen – vor allem was die Traumdeutung und die darin enthaltene Symbolik betrifft. Auf einer weiteren Handlungsebene lernt der Leser die Verdächtigen, allesamt aus dem universitären Umfeld von Dr. Roth, und deren eigene Geschichten kennen. Besonders interessant ist, dass der Leser ganz nebenbei einiges über die Menschen Freud und Jung und deren eigene Neurosen bzw. Komplexe erfährt – es ist fast rührend, diese manchmal fast unantastbaren Ikonen der Tiefenpsychologie so menschlich zu erleben.

Fazit: Alle Kolleginnen und Kollegen, die therapeutisch arbeiten, kann ich diesen Krimi als unterhaltsame Lektüre sehr empfehlen. Aber auch „psycho“-unerfahrenen aber -interessierten Krimi-Lesern möchte ich dieses Buch als unterhaltsame Abwechslung mit süchtigmachendem Thrill ans Herz legen. Dem Krimi-Leser, der eher auf konventionelle Detektivgeschichten und lineare Handlungsstränge schwört, könnte dieser wundervolle Krimi eventuell etwas zu „psycho“-mäßig erscheinen – vielleicht möchte sich aber der eine oder andere dennoch überraschen lassen?

Viel Spass beim Lesen,
Doc Ramadani